Ich habe diesen Artikel nicht in einem Formular getippt. Ich habe ihn mit Claude geschrieben und überarbeitet, über das MCP meiner eigenen Seite. Seite anlegen, Inhalt befüllen, Teaser setzen, alles per Gespräch. Das fühlt sich erst mal nach Spielerei an. Je länger ich darüber nachdenke, desto weniger glaube ich das.
Was MCP ist
MCP steht für Model Context Protocol. Einfach gesagt: ein offener Standard, mit dem ein KI-Assistent Werkzeuge einer Anwendung benutzen kann. Die Anwendung legt fest, was erlaubt ist, etwa Daten lesen, Einträge anlegen oder ändern. Der Assistent nutzt genau diese Werkzeuge, nicht mehr.
Der wichtigste Punkt: Alles läuft mit den Rechten eines normalen Benutzers. Was der Benutzer nicht darf, darf auch der Assistent nicht. MCP ist keine Hintertür, sondern ein weiterer Eingang durch dieselbe Tür.
Was sich ändert
Software war bisher eine Oberfläche, die man bedienen muss: Menü, Formular, Feld, Speichern. Mit MCP wird daraus eine Schnittstelle, die man ansprechen kann.
- Vom Klicken zum Beschreiben. Ein Satz statt zwölf Klicks.
- Wiederkehrende Arbeit. Viele Einträge prüfen oder ergänzen ist von Hand lästig, im Gespräch trivial.
- Saubere Strukturen zahlen sich aus. Je klarer eine Anwendung ihre Daten und Rechte definiert, desto besser kann ein Assistent damit arbeiten.
Der eigentliche Gewinn: Zugang für Menschen mit Einschränkungen
Hier wird es für mich wirklich interessant. Viele Anwendungen sind dichte, verschachtelte Oberflächen mit Menüs, Tabs, Dialogen und Editoren. Wer mit Screenreader arbeitet, navigiert dort durch Struktur, statt sich auf den Inhalt zu konzentrieren. Das kostet Zeit und Nerven, und die Fehlerquote steigt. Ähnliches gilt für Menschen, die keine Maus bedienen können, für Menschen mit Sehrest oder starker Ermüdung bei Bildschirmarbeit und für alle, denen komplexe Oberflächen kognitiv viel abverlangen.
MCP dreht das um. Man sagt dem Assistenten, was man braucht, und muss nicht mehr durch die Oberfläche navigieren:
- Sprechen oder tippen statt navigieren. „Zeig mir alle Einträge, die noch nicht veröffentlicht sind.“ Die Antwort kommt als Text, den ein Screenreader sauber vorliest.
- Anlegen ohne Formularlabyrinth. Text diktieren, der Assistent legt alles an, hält sich an Konventionen und fragt bei Unklarheiten nach. Das hilft auch bei motorischen Einschränkungen, weil Maus und viele Tastenkombinationen entfallen.
- Prüfen als Dialog. „Welche Bilder haben keinen Alternativtext?“ oder „Stimmt die Überschriftenreihenfolge?“ Sehende beantworten das mit einem Blick auf die Vorschau. Mit Assistent kann es jeder fragen.
- Weniger Ermüdung. Ein Gespräch statt vieler kleiner Schritte spart Kraft, gerade wenn jeder Schritt Konzentration kostet.
- Gleiche Rechte, gleiche Verantwortung. Es braucht kein Sondersystem, kein separates Konto. Die Person arbeitet mit dem normalen Benutzer.
Das ersetzt keine Barrierefreiheit in der Oberfläche. Die muss weiter besser werden, und MCP ist kein Freifahrtschein, sie zu vernachlässigen. Es ist ein zweiter, gleichwertiger Weg zum selben Ziel. Wer ihn lieber nutzt, nimmt ihn. Wer die Oberfläche direkt bedient, bleibt dabei.
Worauf man achten sollte
Neue Inhalte starten versteckt. Der Assistent legt an, ein Mensch gibt frei. Veröffentlichen bleibt eine bewusste Entscheidung.
Rechte eng halten. Ein Benutzer mit minimalen Berechtigungen ist die richtige Wahl, kein Admin.
Ergebnisse prüfen. Ein KI-generierter Alternativtext ist ein guter Entwurf, aber kein fertiger Text. Wenn sich jemand auf die Beschreibung verlässt, muss sie stimmen. Hier braucht es einen Gegencheck, etwa durch Kolleginnen und Kollegen oder klare Vorgaben im Prompt.
Warum mich das beschäftigt
Erstens, Software bekommt einen zweiten Zugang. Gute Strukturen und klare Rechte funktionieren plötzlich auch ohne Oberfläche.
Zweitens, Barrierefreiheit bekommt einen zweiten Weg. Nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung. Wer Arbeit bisher nur mit viel Mehraufwand leisten konnte, gewinnt Zeit und Selbstständigkeit.
Drittens, es bleibt Handwerk. Der Assistent nimmt die Klickarbeit ab, nicht die Verantwortung. Struktur, Rechte, Freigabe und Haltung bleiben bei uns.
Ein herzliches Dankeschön an die Community, die MCP-Erweiterungen entwickelt und frei zur Verfügung stellt. Ohne eure Arbeit wäre dieses Ökosystem nicht so stark.